„Du machst mich krank!“
Im September 2011 begann Katie Krautwurst, eine 16-jährige Schülerin an der Le Roy High School, ein Ort im Westen des Bundesstaates New York, zu stottern. Kurz darauf litt sie an unkontrollierbaren Zuckungen in Gesicht – Notaufnahme. Keine Besserung. Thera Sanchez, Lydia Parker, Chelsey Dumars und zwölf weitere Mädchen wurden darauf ebenfalls von schweren, krampfanfallartigen Zuckungen geplagt.
Die Ursache hierfür wurde zunächst im Stress begründet, später waren Autoimmunerkrankungen und Umweltschäden im Gespräch. Auch kaputte Ehen wurden als Auslöser für die neurologischen Beschwerden in Betracht gezogen. Durch die massive Medienpräsenz und die ergebnislose und teure Suche nach Giftstoffen – so schien es – wurde die Aufregung schlimmer, manche der Betroffenen wurden von neuen Anfällen heimgesucht. Und dann besserte sich der Zustand vieler Mädchen wieder.
"Psychogene Massenerkrankung" oder "Epidemische Hysterie" heißt dieses Phänomen. Ein Einzelner weist ungewöhnliche Symptome auf und dann machst du mich krank.
„Eine Massenhysterie ist ein psychopathologisches Phänomen, das ein nichtpathologisches und zutiefst menschliches Verhalten ausnutzt, nämlich die Neigung, den emotionalen Zustand anderer zu imitieren“[1], definieren Nicholas A. Christakis und James H. Fowler. Verfällt einer in Panik, verfallen also alle in Panik. Rennt ein einziger, aufgeschreckter Büffel los, ist die ganze Herde in Aufruhr, in Panik. Weswegen?
Ist die Ursache in einer Bedrohungsangst begründet? Natürlich reagiert der Mensch, fühlt er Gefahr, fühlt er sich in seiner Existenz bedroht. Handelt, um seiner selbst Willen, um die Bedrohung abzuwenden. Auch der Büffel rennt, um nicht gefressen zu werden. Handeln ist bewusstes, willentliches, dem Menschen eigentümliches Tun ist Illusion. Es ist doch nicht der Mensch, der sich selbst mit Krampfanfällen plagt; mit Zuckungen, die nicht aufhören mögen und mit Freiheit bezahlt werden. Oder doch? Und was, wenn eine Epidemie der Einstellung ihre Kreise zieht? Wenn diejenige „andere“ Einstellung eines Einzigen symptomatisch auf Freunde und deren Freunde überspringt?
Da doch aber Ängste wie Einstellungen – wenn sie nicht kommuniziert sind – nicht exakt dieselben sein können, so frage ich mich, wie können dann Reaktionen und Symptome wie diejenigen der Mädchen von Le Roy en masse auftreten?
Es muss etwas geben: ein „Es“. „Es“ steckt an. Welches „Es” denn zum Teufel, bitte schön? Nicht du steckst mich an oder ich lasse mich von dir anstecken. Nein, „Es“ steckt an. Eine Spannung, ein „Etwas“, das immer und überall auf irgendeine Art und Weise dazwischen herrscht. Ein „Etwas“, das ist und in seiner unbegreiflichen Existenz und seiner scheinbaren Unauflösbarkeit Potenzierung erfährt. „Es“ wirkt einfach. Vielleicht ist es dieses „Etwas“, das sich so bedrohlich anfühlt. Vielleicht macht dieses „Etwas“ den Menschen vergessen auf welche seiner Eigenschaften er vertrauen kann. Das Leben lebt sich von alleine. Bis es die Zügel wieder abgibt. Vielleicht ist „Es“ auch Ansporn etwas Neues zu wagen – das Neue zu denken und zu neuem Denken zu bewegen.
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es phänomenal und seit jeher ist.
[1] Nicholas A. Christakis und James H. Fowler: Connected! Die Macht sozialer Netzwerke
und warum Glück ansteckend ist. Frankfurt am Main 2010, S. 73.
Die Ursache hierfür wurde zunächst im Stress begründet, später waren Autoimmunerkrankungen und Umweltschäden im Gespräch. Auch kaputte Ehen wurden als Auslöser für die neurologischen Beschwerden in Betracht gezogen. Durch die massive Medienpräsenz und die ergebnislose und teure Suche nach Giftstoffen – so schien es – wurde die Aufregung schlimmer, manche der Betroffenen wurden von neuen Anfällen heimgesucht. Und dann besserte sich der Zustand vieler Mädchen wieder.
"Psychogene Massenerkrankung" oder "Epidemische Hysterie" heißt dieses Phänomen. Ein Einzelner weist ungewöhnliche Symptome auf und dann machst du mich krank.
„Eine Massenhysterie ist ein psychopathologisches Phänomen, das ein nichtpathologisches und zutiefst menschliches Verhalten ausnutzt, nämlich die Neigung, den emotionalen Zustand anderer zu imitieren“[1], definieren Nicholas A. Christakis und James H. Fowler. Verfällt einer in Panik, verfallen also alle in Panik. Rennt ein einziger, aufgeschreckter Büffel los, ist die ganze Herde in Aufruhr, in Panik. Weswegen?
Ist die Ursache in einer Bedrohungsangst begründet? Natürlich reagiert der Mensch, fühlt er Gefahr, fühlt er sich in seiner Existenz bedroht. Handelt, um seiner selbst Willen, um die Bedrohung abzuwenden. Auch der Büffel rennt, um nicht gefressen zu werden. Handeln ist bewusstes, willentliches, dem Menschen eigentümliches Tun ist Illusion. Es ist doch nicht der Mensch, der sich selbst mit Krampfanfällen plagt; mit Zuckungen, die nicht aufhören mögen und mit Freiheit bezahlt werden. Oder doch? Und was, wenn eine Epidemie der Einstellung ihre Kreise zieht? Wenn diejenige „andere“ Einstellung eines Einzigen symptomatisch auf Freunde und deren Freunde überspringt?
Da doch aber Ängste wie Einstellungen – wenn sie nicht kommuniziert sind – nicht exakt dieselben sein können, so frage ich mich, wie können dann Reaktionen und Symptome wie diejenigen der Mädchen von Le Roy en masse auftreten?
Es muss etwas geben: ein „Es“. „Es“ steckt an. Welches „Es” denn zum Teufel, bitte schön? Nicht du steckst mich an oder ich lasse mich von dir anstecken. Nein, „Es“ steckt an. Eine Spannung, ein „Etwas“, das immer und überall auf irgendeine Art und Weise dazwischen herrscht. Ein „Etwas“, das ist und in seiner unbegreiflichen Existenz und seiner scheinbaren Unauflösbarkeit Potenzierung erfährt. „Es“ wirkt einfach. Vielleicht ist es dieses „Etwas“, das sich so bedrohlich anfühlt. Vielleicht macht dieses „Etwas“ den Menschen vergessen auf welche seiner Eigenschaften er vertrauen kann. Das Leben lebt sich von alleine. Bis es die Zügel wieder abgibt. Vielleicht ist „Es“ auch Ansporn etwas Neues zu wagen – das Neue zu denken und zu neuem Denken zu bewegen.
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es phänomenal und seit jeher ist.
[1] Nicholas A. Christakis und James H. Fowler: Connected! Die Macht sozialer Netzwerke
und warum Glück ansteckend ist. Frankfurt am Main 2010, S. 73.
Veritas veritas - 29. Nov, 10:41